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In den USA ist der Februar “Black History Month”. Gegründet 1926 vom afro-amerikanischen Historiker Carter G. Woodson sollen in dieser Zeit nicht die Leiden der Afro-Amerikaner im Vordergrund stehen, sondern mit Aktionen und Festivals das Selbstwertgefühl gestärkt und die Errungenschaften gefeiert werden. Von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) initiiert, wird der “Black History Monat” seit 1990 auch in Deutschland begangen.
Adé Bantu (34), Musiker und Gründer von Brothers Keepers, lebt in Lagos und Köln. Wir sprachen mit ihm über die Situation der Afro-Deutschen und den Sinn solcher Veranstaltungen.

Hältst du den „Black History Monat“ in Deutschland für eine sinnvolle Veranstaltung?
Veranstaltungen wie diese sind sehr, sehr wichtig für beide Zielgruppen: sowohl für die Menschen, die die Mehrheit der Gesellschaft darstellen als auch für die Diaspora-Community, also Menschen afrikanischer Herkunft, die außerhalb des Kontinents in einer eurozentrischen Umgebung leben. Es geht um Austausch, darum, Stereotypen und Vorurteile abzubauen.
Das Selbstbewusstsein und die Würdigung von Errungenschaften sind ein wichtiger Bestandteil des BHM. Was würdest du gerne in das öffentliche Bewusstsein rücken?
Es geht mir um das Bild des schwarzen Mannes, der schwarzen Frau und um den afrikanischen Kontinent im Ganzen. Afrika besteht nicht nur aus Hilfs- und Spendenempfängern, wir haben es immerhin mit 53 Ländern zu tun und darunter gibt es viele Erfolgsmodelle. Erfolgsmodelle und Erfinder sollen mehr Aufmerksamkeit bekommen: eine so alltägliche Sache wie die Ampelanlage wurde zum Beispiel von einem Schwarzen erfunden, die Glühbirne hat Edison patentiert, aber die Nachbesserungen wurden ebenfalls von Afroamerikanern entwickelt.
Es geht uns darum, Sachverhalte klarzustellen: Es gibt viele Menschen afrikanischer Herkunft, die einen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Zum Beispiel Kofi Annan oder der allgegenwärtige Nelson Mandela. Aber es geht auch darum, Mythen wegzufegen.
Wie kann das gehen?
Indem man Situationen schafft, in denen Leute weitergebildet werden, entdeckt man Gemeinsamkeiten und die Wichtigkeit, dass ein Kulturerbe als solches angesehen wird.
Für uns Afro-Deutsche geht es bei solchen Veranstaltungen um Networking. Viele Afro-Deutsche haben keinen direkten Zugang zu Afrika, die sollen aber auch teilhaben können am Gefühl der Community. Das Gefühl, ein Sonderling zu sein, erfährt man täglich in Deutschland und da tun solche Treffen gut, wenn man dieses Gefühl eben plötzlich nicht mehr hat. Da bilden sich Freundschaften und Interessensgemeinschaften.
Gibt es so etwas wie eine gemeinsame Identität der Schwarzen in Deutschland?
Ich glaube, die afro-deutsche Community ist keine homogene Gruppe. Das muss sie auch gar nicht sein, wir brauchen nur gemeinsame Nenner und gemeinsame Formulierungen.
Uns ist gemeinsam, dass wir eine Minderheit bilden und von offizieller Seite keinen Schutz bekommen. Wir müssen das dementsprechend formulieren und der deutschen Gesellschaft klar machen, dass dieses Land in Europa sehr divers ist. Deutschland ist eben nicht nur blauäugig und weiß, sondern hat mehr anzubieten. Das extremste Deutschsein ist Afro-Deutsch-Sein. Ich denke auch, das verbindende Element der afro-deutschen Community ist viel mehr das Deutschsein als das afrikanische. Immerhin kennen die meisten Deutschland viel besser als Afrika. Und trotzdem lässt uns die Gesellschaft keine Ruhe.

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